Extremadura

Eine Reise in die spanische Provinz

Gute Aussichten

Ich kniete nieder und sagte zu ihm: ›Gekrönte Majestät, ich verehre Euch, aber ich kenne Euch nicht. Woher kommt Ihr, und was wollt Ihr in der Welt?‹ ›Ich komme von San Justo in Estremadura und war der Kaiser Karl der Fünfte‹, sagte er.
– Charles de Coster: Ulenspiegel

Die Reisevorbereitung für die Estremadura-Tour sollte praktische Dinge klären: Flug, Mietauto, Mautstraßen, Zeiten, Unterkünfte. Auch wenn wir die Hilfe eines kleinen Reisevermittlers in Anspruch genommen hatten: Es bleibt ja so viel zu tun. Gerade für Menschen wie mich, die sich selbstbewusst und entspannt in einer fremden Umgebung bewegen. Spanisch? Spreche ich nicht. Englisch? Schon, aber das sprechen die Spanier so schnell und hart, dass es (mir) kaum verständlich ist.

Im Monfragüe kreisen die Geier

Der Flug, die Übernahme des Mietwagens - Missverständnisse allerorten, die sich mit einem Lächeln und einem Schulterzucken in Nichts auflösten. Eines war, dem auch Charles de Coster oben aufgesessen ist. Die Gegend westlich von Madrid heißt Extremadura, ihre portugiesische Entsprechung dagegen Estremadura. Die Provinz ist größer als Belgien, grenzt im Norden an die Sierra de Gredos. Die Täler dort haben viel Wasser (auch von oben, wie wir in der ersten Woche merken durften) und sind bekannt für ihre Kirschen und für den Paprika aus der Region La Vera. Im Naturschutzgebiet Monfrügue südlich von Plasencia kreisen die Geier, so nah, dass man sie wunderbar beobachten kann. Richtung Westen nach Cáceres und weiter in den Süden ist die Landschaft eben, das Klima mediterran, immer wieder unterbrochen von kleineren Höhenzügen, auf denen dann Burgen thronen.

Grunzende Schweine und Steineichen

Hier findet man riesengroße Weidegebiete, alle eingezäunt, die Grundstückszufahrt verschlossen mit einem pompösen Tor. Hier verlieren sich Rinder, Schafe, die bekannten iberischen schwarzen Schweine liegen im Gras, im Schatten der Steineichen. Es grunzt, blökt oder muht. Idylle. Arkadien. Die Weiden und Wiesen explodierten in der Farbe der Frühlingsblumen und im Hintergrund erhob sich das blaue schneebedeckte Massiv der Gredos. Komm ich ins Schwärmen? Es war einmalig schön, von der Natur bis zum Parador.

Kaiser Karl V. zog sich in die Extremadura zurück

In der Extremadura liegt auch das Kloster, in dem Karl V. seine letzten Monate vor seinem Tod verbrachte. Bei Yuste (aus dem die verda... Autokorrektur immer "huste" macht) findet es sich, restauriert, kaum besucht und wunderbar gelegen. Hier erfährt man dank Audioguide viel über den Kaiser, der in der Reformation Gegenspieler Luthers war. Ein Habsburger, der in den Niederlanden geboren war und in Spanien residierte.


Sechs Bilder, die zeigen, dass die Extremadura in Spanien alles bietet: Landschaft in reichem Maß, interessante Städte mit einer spannenden Vergangenheit und ein Leben zwischen dem Kreuz und dem anarchischem Witz, wie ihn die Marx-Brothers zu bieten hatten.